New York/Kanada zum Indian Summer #03 – Bronx, Queens und Brooklyn, Harbour Bridge Tour

New York besteht natürlich nicht nur aus Manhattan. Heute wollten wir uns auf der „Multi Kulti Tour“ andere Stadtteile New Yorks anschauen. Die Bronx, Queens und Brooklyn standen auf dem Plan. Diese Tour hatten wir wieder im Voraus gebucht. Tolle Eindrücke und wieder viele interessante Informationen erwarteten uns. Abends machten wir dann noch die „Harbour Lights Tour„. Eine Bootsfahrt vom Sonnenuntergang bis in die Dunkelheit hinein, über den Hudson River bis hin zur Freiheitsstatue. Aber schaut doch mal selber:

In unser Reise-Tagebuch schrieben wir folgendes:

Donnerstag, 22. September 2016

Heute hieß es wieder um 6:00 Uhr aufstehen, der Wecker klingelt! Wir hatten schon zuvor über Getyourguide eine „Multi Kulti Tour“ gebucht. Wir würden heute Manhattan verlassen und die Stadtteile Bronx, Queens und Brooklyn besichtigten. Treffpunkt war wie zwei Tage zuvor wieder das Sheraton Hotel.

Als regelrechte Subway Profis gingen wir zur nächstgelegenen Station an der Port Authority. Gekonnt steuerten wir das richtige Gleis an und waren auch gleich durchgeschwitzt. Die Temperatur war am frühen Morgen an der Oberfläche schon bei angenehmen 24 Grad Celsius angekommen. Unter Tage allerdings wurde stand die Luft und es war gefühlt um die 40 Grad heiß. Unglaublich. Als dann die U-Bahn der Linie E einfuhr staunten wir nicht schlecht. Dicht gedrängt standen die New Yorker zusammen. Bilder, wie man es nur aus Tokyo kennt. Leider keine Chance, wir kamen nicht mit. Wir versuchten unser Glück etwas weiter vorne am Gleis – und tatsächlich, nur 5 Minuten später konnten wir Stehplätze für uns ergattern. In der Subway dann der nächste Temperaturschock. Die Klimaanlage lief auf vollen Touren. Wenige Stationen später stiegen wir an der 7th Avenue / 53. Straße wieder aus – und die Hitze stieg einen sofort wieder entgegen. Schnell machten wir uns auf zur Oberfläche.

Am Treffpunkt angekommen waren wir bis 9:00h die augenscheinlich einzigen, die für diese Tour warteten. Unser Guide Stefan kam pünktlich vorbei, erklärte uns aber, dass wir insgesamt acht Gäste wären. Die warteten jedoch am Seiteneingang des Hotels. Mit etwas Glück und dank an Stefan konnten wir Plätze in der ersten Reihe des Mini Busses ergattern, so dass wir schöne Bilder während der heutigen Tour während der Fahrt machen konnten.

Los ging es also in den chaotischen Straßenverkehr von Manhattan. Erstes Ziel, the Bronx. Knapp 45 Minuten quälten wir uns durch den Verkehr, vorbei an der Fifth Avenue und Central Park. Schließlich fuhren wir durch Harlem hindurch, welches im Norden von Manhattan liegt. Hier veränderte sich das Stadtbild komplett. Die Wolkenkratzer oder aristokratische Protzbauten waren nicht zu entdecken. Eher sah es schon fast wie ein normales Arbeiterviertel in Deutschland aus, wie es auch in Städten wie Hamburg oder Berlin zu finden wäre. Nette Mehrfamilienhäuser reihten sich an Wohnblöcken mit Sozialwohnungen (In den USA „Projects“ genannt). Überhaupt nicht das Slum, welches man vielleicht vermutetet hätte.

Über eine Brücke über den Harlem River verließen wir schließlich Harlem und damit auch Manhattan. „Welcome to the Bronx“ stand in großen Buchstaben geschrieben. Etwas mulmig wird einen da schon, kennen wir doch die Geschichten und Filme aus den 80ziger und 90zigern. Von allen Stadtteilen ist die Bronx auch unbestritten noch der gefährlichste, aber inzwischen (zumindest Tagsüber und mit einen Guide) durchaus mit überschaubaren Risiko zu besichtigen. Wir hielten in einer Seitenstraße an und stiegen aus. Hier waren ganz tolle Graffitis zu bewundern. Über eine Fläche von etwas 30-40 Metern Mauer reihte sich hier ein gesprühtes Kunstwerk am nächsten. Die Charakter (so nennen sich die Cartoonmäßigen Figuren) wirkten geradezu plastisch und lebensecht. Toll.

Weiter ging es zum weltberühmten „New York Yankee Stadium“. Baseball ist der einzig wahre Nationalsport, erzählte Stefan uns. Schließlich sei American Football für viele nur die „verweichlichte“ Rubgy Variante, rüber geschwappt aus England. Und Basketball kam eigentlich erst viel später. Um das Stadion herum gibt es jede Menge Souvenirgeschäfte, die am frühen Vormittag fast alle noch geschlossen hatten. Das war unser Glück, denn auf den heruntergelassenen Rollläden gab es je Ladenzeile wieder tolles Graffiti mit Metergroßen Charaktern zu bewundern. Diesmal aber nicht in Cartoon Form, sondern echten Baseballspielern nachempfundene Gesichter samt Spielernamen wurden verewigt. Wer nach Anblick dieser gesprühten Bilder Graffiti noch mit Tags und Schmiererei gleichsetzt, dem ist nicht mehr zu helfen. Das sah wirklich toll aus.

Eingang zum Yankee Stadium

Weiter ging es durch die Bronx in Richtung Westen. Über eine Schnellstraße fuhren wir der Skyline von Manhattan entgegen. Nach einiger Zeit erreichten wir schließlich den Stadtteil Queens, der von vielen New Yorkern das „Schlafzimmer“ der Stadt genannt wird. Hier geht es wohl deutlich ruhiger und gemächlicher zu, als in den anderen Stadtteilen. Mit über vier Millionen Einwohnern ist dieser Stadtteil nicht nur flächenmäßig der größte. Wir fuhren durch kleine Gassen und kamen uns vor wie in einen englischen Vorort. Viele schmale Reihenhäuser, aus Holz gebaut und mit Steinverblender verziert waren zu sehen. Schließlich machten wir einen Fotostop, direkt am East River. Der Blick in Richtung Manhattan war schon ein guter Vorgeschmack auf das, was später noch folgen sollte.

Weiter ging es von Queens nach Brooklyn. Ein absolutes buntes Viertel. In keinen anderen Stadtteil gibt es mehr verschiedene Nationalitäten und Mikrokosmen als hier. Die amerikanisch-italienische Mafia hatte hier seine Wurzeln und nicht etwa in Little Italy in Manhattan. Auch gibt es inzwischen russische viertel, die komplett eine eigene Infrastruktur mit Läden und Schulen bereitstellen. Ganz besonders ist das jüdische Viertel in Brooklyn. Mit mehr als 180.000 Juden ist Brooklyn die größte jüdische Siedlung weltweit außerhalb Israels. Neben gemäßigten Juden sieht man auch die streng gläubigen orthodoxen Juden. Oft sieht man hier Männer mit Locken, schwarzen langen Roben und Hüten umherlaufen. Die verheirateten Frauen sind immer mit Rock zu sehen und tragen eine Perücke. Die echten Haare, als Symbol der weiblichen Schönheit, sind nämlich ihren Männern vorbehalten und für uns nicht nachvollziehbar sogar kahlgeschoren. Auch hier haben die Menschen ihren eigenen Mikrokosmos geschaffen. Geschäfte, Strassennamen, Schulbusse… alles mit hebräischen Beschriftungen. Auch die Sprache hat mit dem englischen wenig gemeinsam.

Links, das rechteckige Gebäude… das UN-Gebäude in New York
Das wir da waren müssen wir ja auch mal in einem Bild festhalten 😉

Kurz bevor wir Brooklyn verließen, machten wir Halt an der Brooklyn Bridge. Wow! Das oft gesehene Postkartenmotiv und einer der berühmtesten Brücken der Welt steht nun wahrhaftig vor uns.

Wenn es nicht mit knapp 31 Grad und wolkenlosen Himmel so heiß gewesen wäre, hätten wir uns von hier aus von Stefan verabschiedet und wären zu Fuß über die Brücke nach Manhattan gelaufen. So stiegen wir wieder in unseren Minibus und freuten uns über die Klimaanlage. Dann quälten wir uns wieder in den Verkehr. So angenehm das fahren in der Bronx, Queens und Brooklyn war, so komplett verstopft waren die Straßen in Richtung Manhattan. Das lag auch mit an einem Treffen der UN. Viele Sicherheitskräfte waren vor Ort und einige Straßen waren komplett gesperrt. Nur schrittweise ging es voran. Wir brauchten mehr als eine Stunde vom Brückenkopf bis zum Absetzpunkt downtown. Wir verabschiedeten uns von Stefan und machten uns auf den Rückweg zum Hotel.

An der Park Authority angekommen gingen wir noch einen Umweg zu Madam Tussaud. Wir wollten uns Tickets für „The Ride“ besorgen. Das ist eine Art Live Theater auf der Straße, welches man bequem von einen mit speziellen Sitzen ausgestatten Bus beobachten kann. Dort angekommen erklärte man uns aber, dass für „New York City Pass“ Besitzer für heute keine Tickets mehr verfügbar wären. Wir mögen es morgen noch einmal probieren. So langsam wurden wir immer mehr enttäuscht vom NYC Pass. Hier gab es ganz offensichtlich ein Kontingent von Karten für den freien Verkauf und die schnöden NYC Pass Besitzer. Mit anderen Worten: Hätten wir gewollt – und bar bezahlt – hätte wir ohne Probleme Tickets für den heutigen Abend erhalten.

Aber warum sollten wir uns lange darüber ärgern, dann planen wir eben um. Wir überlegten uns, dass die Circle Line am Hafen ja auch schöne Abendfahrten in die Dunkelheit anbietet. So standen wir gegen 18:00 Uhr mit unseren NYC Pass am Pier 83 und holten uns Tickets für die Harbor Lights Tour. Um 19:00 Uhr sollte es losgehen. Wir hätten vermutet, eine Stunde vorher sollte locker für einen Sitzplatz auf den Außendeck ausreichen. Falsch gedacht. Das gesamte Oberdeck war schon mit hunderten Menschen gefüllt. Auf der linken und rechten Seite des Außendecks gab es je Stühle nebeneinander und viele Reihen hintereinander. So war nicht an schöne Bilder zu denken. Aber hey, da hinten gibt es tolle Plätze, jeweils nur zwei nebeneinander direkt an der Reeling. Aber Nein, die waren mit einen Absperrband abgesperrt und den „VIP Ticket“ Besitzern vorbehalten. Wieder nichts für NYC Pass Besitzer, nicht einmal gegen Aufpreis. So machten wir uns auf dem Weg zum Unteren Außendeck am Bug, welches aber keinerlei Sitzplätze bereithält. Also hieß es die nächsten zwei Stunden an Bord nur an der Reeling stehen. Zum zweiten Mal an diesem Tag wurden wir vom NYC Pass enttäuscht. Es geht uns ja gar nicht um das Geld (oder das angeblich gesparte Geld). Aber wir hätten bei The Ride und auch bei der Harbor Lights Tour lieber Bar bezahlt (und auf dem Boot sogar die VIP Tickets), dafür aber das Erlebnis sofort und in angenehmer Art und Weise genießen können. So haben wir knapp 500 Dollar für den NYC Pass bezahlt und sind doch nur Gäste zweiter Klasse. Wir würden das also keinesfalls empfehlen und ärgern uns ein bisschen, dass wir den NYC Pass gebucht haben. Aber egal, los ging die Fahrt. Der Fahrtwind wehte uns frische Seeluft um die Ohren und bei einen tollen Abendrot fuhren wir in Richtung Financial district. Auf der linken Seite war die immer mehr beleuchtete Skyline von Manhattan zu sehen. Auf der rechten Seite die Hochhäuser und Industrieanlagen von New Jersey. Das Licht wurde immer schöner.

Auf dem Hudson River… links Manhatten, rechts New Jersey

Wir passierten die Freiheitsstatue und konnten bei inzwischen untergegangener Sonne aber noch immer leuchten Abendrot schöne Aufnahmen machen. So ging die Fahrt in die Dunkelheit weiter, an der Brooklyn- und Washingtonbridge vorbei bis fast zum UN Gebäude. Hier wendete unser Schiff und wir fuhren die gleiche Strecke zurück. Diesmal konnten wir tolle Aufnahmen von der Skyline machen. Zum Ende staunten wir nicht schlecht, denn der Bootsführer fuhr in sehr langsamer Fahrt direkt an der Freiheitsstatue vorbei, die nun in völliger Dunkelheit nur von vielen Scheinwerfern angestrahlt wurde. Ein tolles Bild! Schließlich kamen wir wieder einmal total erledigt im Hotel an. So ein Städtetrip schlauch wirklich ungemein. Gute Nacht!

Gute Nacht New York