Wie ein Reisebericht entsteht

Ihr möchtet gern wissen, wie unsere Reiseberichte entstehen? Wir haben auf dieser Seite die verschiedenen Fragen aufgegriffen und im Detail den Entstehungsprozess und auch unsere Ausrüstung zusammengefasst. Viel Spaß dabei.

Wie entsteht ein Reisebericht:

 

Frage: Wie lange benötigt Ihr für eine Epsiode?

Das hängt natürlich stark vom gezeigten Inhalt ab. Durchschnittlich kann man aber insgesamt von zehn bis zwölf Stunden Arbeit je Episode ausgehen (inklusive Postproduktion, Artikelerstellung und Veröffentlichung bei Youtube, Facebook und auf der Website).

 

Frage: Was meint Ihr mit Postproduktion ?

Vereinfacht gesagt könnte man ja meinen, wir nehmen einfach „wahllos“ die gefilmten Szenen und werfen die in unsere Videobearbeitungssoftware. Ein paar Übergänge dazu, fertig… ganz so einfach ist es leider nicht. 😉

Es gilt in etwa die Formel: eine Minute fertiger Film entspricht in etwa eine Stunde Bearbeitungszeit. Hier einige Beispiele, wie so eine Episodenerstellung typischerweise abläuft:

 

  • Materialsichtung und Strukturierung. Wir haben wesentlich mehr Material zur Verfügung, als letztendlich in den Episoden ankommt. Das variiert natürlich von Reise zu Reise, jedoch kann man von einem Verhältlis von 1 zu 7 ausgehen. Heißt, wenn der fertige Film inklusive aller Folgen 90 Minuten lang ist, dann konnten wir aus einem Fundus von knapp 10 Stunden Rohmaterial schöpfen. Wir haben dann hunderte Szenen, die von verschiedenen Kameras aufgezeichnet wurden, mehr oder weniger unsortiert auf der Festplatte. Das kommt daher, dass wir manche Szenen mehrfach filmen (wegen anderer Perspektiven & Stimmungen bzw. um grobe Versprecher rausnehmen). Jede einzelne Szene müssen wir nach einer Reise sichten, bewerten und mit Metatags versehen bzw. so strukturieren, dass wir die Szene hinterher auch wiederfinden. Dazu kommen tausende Fotos. Wenn man hier am Anfang nicht ein wenig Struktur und Ordnung in das Chaos bringt, ist man verloren – und kann so auch keine Geschichte erzählen. Nachdem alles gesichtet, (aus-)sortiert und strukturiert wurde, teilen wir den Reisefilm grob in Epsioden auf und wissen so, welche Folge welche Inhalte haben wird. Klar, das bedeutet, dass wir  Euch so manche Szene niemals zeigen können, da diese einfach nicht in die Episode passt. Die typischen Luxus-Probleme von Filmemachern. 😉

 

  • Grobschnitt. Nun folgt der Grobschnitt der Episode. Wir entscheiden uns hier, welches Material in welcher Reihenfolge und in welchen Rhythmus & Dauer eingefügt wird. Der Rhythmus ist dabei ganz entscheident für die Stimmung, die wir erzeugen wollen. Welche Szenen sind wichtig, welche überflüssig? Wie kurz oder lang zeigen wir welche Szene? Wo setzen wir einen J- oder L-Schnitt an (Vereinfacht: Der Ton der nächsten Szene ist schon zu hören, das gezeigte Bild stammt noch von der vorherigen Szene – oder anders herum). Wann brauchen wir einen Kommentar von uns? Dabei muss man wissen, wir kommentieren viel öfter in die Kamera, als Ihr es hinterher zu sehen bekommt. So benutzen wir diese Kommentierungen nur dann, wenn die Bilder nicht für sich selbst sprechen bzw. ein Kommentar in den Rhythmus passen würde.

 

  •  Atmo & Musikauswahl. Ganz entscheident ist die Atmo & Musikauswahl. Das schönste Bildmaterial nützt nichts, wenn fiese Nebengeräusche die Szene sprengen oder die Musik nicht passt. Mit Musik kann man exakt die richtige Stimmung erzeugen, die man möchte (oder auch die komplette Szene ruinieren). Wenn man die richtige Musik im richtigen Tempo gefunden hat, wird das dem Grobschnitt angepasst. Das kann das ganze gehörig durcheinander würfeln, so dass ganze Szenen eventuell wieder ausgetauscht oder umsortiert werden – damit es eben überall zur gewollten Stimmung passt. Außerdem wird der von der Kamera aufgezeichnete Ton (Atmo) nun komplett, teilweise oder gar nicht hinzugemischt. Oder fehlt uns gar ein Kommentar, den wir eventuell nachsprechen müssen?

 

  • Feinschnitt. Nun geht es um die Details. Die einzelnen Schnitte werden Bild- und Taktgenau geschnitten (ja, richtig gelesen, wir legen viele Schnitte auf den Takt bzw. Wechsel der Musikstimmung). Dabei gilt: Nicht übertreiben, es soll nicht unnatürlich wirken. Aber grobe Schnitzer müssen nun raus. Die Episode sollte nun im Rhythmus, Tempo und „Spannung“ möglichst mehrere „Wellen“ haben. Also Temporreiche Szenen in Abwechslung mit etwas Entspannung.

 

  • Belichtungskorrektur. Unsere Episode ist nun ein gutes Stück vorangekommen, nun gilt es die Belichtung anzupassen. Wir filmen ja oft mit verschiedenen Kameras in manchmal schwierigen Lichtsituationen. Manche Szenen können wir auch nur einmal filmen. Wir haben also gar nicht die Zeit, die Kameras manuell einzustellen, so dass die bestmögliche Belichtung schon bei der Aufnahme entsteht. Dafür benutzen wir unsere Software Final Cut Pro X. Hier mal ein Vorher / Nachher Beispiel einer Belichtungskorrektur.
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Hier die unbearbeitete Fassung. Die Kamera (Panasonic) hat hier stark überbelichtet. Die Farben sind einigermaßen ok, aber die in Wirklichkeit dunkle Muräne kommt nicht zur Geltung.

 

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Und so bearbeiten wir das in Final Cut Pro X. Zunächst wählen wir die Szene und lassen uns in Wellenform die Helligkeitswerte anzeigen (Fensterbereich links oben). Die Anzeige geht von unten (sehr dunkel) bis oben (sehr hell). Man kann an der Wellenform erkennen: Die Höhen sind stark ausgeprägt, die Mitten befinden sich ebenfalls im stark belichteten Bereich und die Schatten (also gewollt dunkle Bereiche) sind fast nicht ausgeprägt. Das bestätigt auch das Vorschaubild der Muräne rechts. Die Bereiche, die in Wirklichkeit dunkel waren, hat unsere Kamera in einen grauen Matsch absaufen lassen. Das werden wir nun korrigieren.

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Wir fügen also eine Farbkorrektur hinzu und setzen die Farbsättigung der Szene auf Null > wir erhalten also ein Schwarz Weiß Bild. So können wir uns tatsächlich auf die Belichtung und nicht auf die Farben konzentrieren (die kommen später). Nun verändern wir im rechten Fenster die die Belichtungswerte für Schatten (links), Mitten (mitte) und Beleuchtung / Höhen (rechter Regler). Wir beobachten dabei unsere Wellenanzeige und versuchen die Bereiche zwischen 0 Prozent Lumina (also sattes Schwarz) anzukratzen wie auch die Höhen bis 100% auszureizen – aber nicht darüber hinaus (also Über- und Unterbelichtung vermeiden). Am Ende stellen wir die Farbsättigung wieder auf normal. Nun sollte die Überbelichtung korrigiert sein und die Muräne entspricht mehr der Realität.

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Und hier die gleiche Szene nachdem die Belichtung korrigiert wurde. Vergleicht das mit der Originalaufnahme. Das hat schon einiges gebracht oder?

 

  • Diese Belichtungskorrektur machen wir Szene für Szene! Ihr könnt Euch also vorstellen, dass dieser Vorgang manchmal aufwendiger ist und manchmal schnell erledigt ist. Das hängt wirklich stark von den Gegebenheiten beim Dreh ab.

 

  • Farbkorrektur / Weissabgleich. Unter Farbkorrektur versteht man, die in den Grundfarben ROT, GRÜN und BLAU unterteilten Farbkanal-Werte die aufgezeichnet wurden, zum Wunschergebniss hin zu beeinflussen. Wir unterscheiden hier zwei Arten:
    • Die Kamera hat die Farben wie in der Realität erfasst (Weiß wird unverfärbt als Weiß dargestellt etc.), wir wollen aber eine ganz bestimmte Stimmung oder „Looks“ erzeugen (von düster bis warm).
    • Die Kamera hat bei der Aufnahme die Farben falsch interpretiert. Eigentlich weiße Flächen sind von einer oder zwei Grundfarben stark beeinflusst (rot-,blau- oder grünstichig). Wir wollen die Grundfarben wieder aufeinander anpassen und so einen „Weißabgleich“ durchführen. Insbesondere bei Unterwasseraufnahmen ist das erforderlich, da ab wenigen Meter Wassertiefe die Farbe Rot immer weniger zu sehen ist.
    • Hier ein Beispiel einer Vorher / Nachher Farbkorrektur

 

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So hat die GoPro diese Szene interpretiert. Der rote Farbkanal wurde stark zurückgedrängt, dafür ist das Bild stark Grünstichig.

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Final Cut Pro X bestätigt unseren ersten Eindruck, nachdem wir uns die sogenannte RGP Parade anzeigen lassen. Die Rotwerte sind zu schwach, die Grünwerte zu stark ausgeprägt.

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Nun verändern wir behutsam die einzelnen RGB Werte, indem wir ähnlich wie bei der Belichtung die Farbwerte für Schatten, Mitten und Lichter anpassen.

 

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Im Ergebnis erhalten wir ein wesentlich realistischeres Bild der Szene.

 

  •  Titel und Effekte. Unsere Szenen sind nun also hübsch aneinandergereiht und mit hoffentlich passender Musik versehen. Die Belichtung und Farben wurden korrigiert, wo es nötig war. Nun fügen wir wirklich nur dort, wo es unbedingt notwendig ist, Titel hinzu oder bauen Effekte ein. Wir vertreten allerdings den Standpunkt „weniger ist  mehr“. Szenen sollten bestenfalls selbsterklärend sein. Wir wollen Euch also nicht von der Szene mit einer Titeleinblendung ablenken, sondern sprichtwörtlich die Bilder sprechen lassen. Auch Effekte (wie Bild-in-Bild oder Vignetten) setzen wir sehr sparsam ein.

 

  • Abnahme. 😉 Nun lassen wir das Video reifen und schauen es uns erst nach zwei bis drei Tagen wieder an. Wenn es uns dann immer noch gefällt, bereiten wir es für den Export vor.

 

  • Export und Konvertierung. Dadurch, dass wir in 1080P und somit in Bluray Qualität filmen, sind die Datenmengen durchaus beeindruckend. Der Export einer Folge aus Final Cut Pro X von knapp 8 Minuten ist knapp 1 Gigabyte groß. Diese Datei exportieren mit Hilfe von Apple Compressor, um das Beste Ergebnis für das Videostreaming bei Youtube zu erzielen.
  • Thumbnail erstellen. Nun müssen wir uns noch ein passenden Vorschaubild für Youtube erstellen (das sogenannte Thumbnail). Dieses Bild wird auf unseren Youtube Kanal und bei den Suchergebnissen angezeigt. Wir versuchen möglichst für jede Reise einen Wiedererkennunswert zu generieren. Auch sollte das Thumbnail schon eine Aussagekraft zum Inhalt haben, zum Beispiel Ort und Folgennummer anzeigen.

 

  • Youtube Upload. Als nächstes laden wir die Datei hoch auf den Youtube Server. Das kann unter Umständen einige Stunden dauern. Sobald das Video angekommen ist, wird es allerdings als „nicht gelistet“ der Öffentlichtkeit noch vorenthalten. Wir wollen ja das Video zeitgleich mit dem Artikel veröffentlichen.

 

  • Artikel Erstellung. Nun lassen wir den Tag noch einmal Revue passieren und berichten in Wort und Bild über unserer Erlebnisse. Dabei nehmen wir Bezug auf die Videoinhalte, aber geben durchaus weitere Tipps und Erfahrungen preis. Passende Fotos werden herausgesucht, nachbearbeitet, konvertiert (insbesondere die Dateigröße massiv fürs Web reduziert) und hochgeladen. Anschließend wird jedes Foto noch entsprechend kommentiert, so dass wir letztlich auch im Artikel eine Geschichte des Tages nacherzählen können. Der letzte Schritt ist nun die Einbindung des Videos in den Artikel. Insgesamt verbringen wir also mit der Artikelerstellung und Bildbearbeitung knapp zwei bis drei Stunden, bis alles passt.
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So sieht unsere typische Arbeitsoberfläche bei der Artikelbearbeitung aus (WordPress)

 

  • Publikation auf allen Kanälen. Alles ist fertig, wir publizieren nun auf allen Kanälen. Wir schalten das Video bei Youtube für die Öffentlichkeit frei, nachdem wir den Aufmachertext des Artikels hinzugefügt haben. Dann schalten wir den Artikel auf unserer Website frei. Zuletzt posten wir die Links zum Video und Artikel bei Facebook und anderen Kanälen (z.B. in Foren).

 

  • FERTIG! Nach zehn bis zwölf Stunden Arbeit ist eine weitere Episode online gegangen – und wir warten gespannt, ob Euch diese gefallen wird. Wir freuen uns also wirklich über jeden Kommentar und jeden Daumen hoch. 😉

 

 

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